Am Nachmittag fand das CMS Kolloquium statt. Hierbei ging es stärker um das ganze Thema Software für die Organisation Universität, insbesondere für die Verwaltung. Für mich war spannend einmal zu sehen, wie dieses Thema Multimedia auf gesamter Organisationsebene angegangen wird. Unter dem Titel “Vernetzter Campus” stellte der Vize-Präsident für Studium und Internationales Prof. Dr. Uwe Jens Nagel eine Reihe von Ideen, die bereits als Projekte umgesetzt und manche eher noch Visionen sind, dar. Besonders lobenswert war, dass Prof. Nagel als Vertreter des Präsidiums der HU sich den ganzen Nachmittag Zeit für die Veranstaltung genommen hat und auch später noch die Diskussionsrunde moderierte. Es spricht dafür, dass das Thema eLearning zumindest im Präsidium angekommen ist, obgleich es noch nicht als Motor für Innovation in Lehre und der Organisation anerkannt wird. Schön war, dass erkannt wurde, dass es keine Alternative für die Uni gibt als sich mit dem Thema der Einführung von Software für alle Prozesse incl. Lehre gibt. Besonders spannend fand ich, dass ein “Berliner Zentrum für Hochschullehre” gegründet werden soll, indem alle Berliner Hochschulen gemeinsam Weiterbildung für ihre Mitglieder anbieten. Darauf bin ich einmal gespannt. Vielleicht gibt es vom Senat ja Gelder dafür. Generell sprechen wir hier aber von Organisationen, die mit immer weniger Geld und immer mehr Studierenden ihre Qualität verbessern müssen. Um Geld für das Thema Qualitätsverbesserung in der Lehre zu haben müssen die Prioritäten neu definiert werden.
Sehr aufschlussreich war der Vortrag des Studenten Peter Hartig, der auf die Realität der Studierenden aufmerksam gemacht hat. (Das war ein aufschlussreicher Erfahrungsbericht, keine repräsentative Studie, obwohl ich glaube, dass da nicht viel unterschiedliche Ergebnisse rauskommen würden.) Schön, dass bei so einem Anlass auch die Studenten zu Wort kamen. Die Studierenden wissen teilweise überhaupt nicht was CMS ist und was Moodle ist, obwohl sie es teilweise selbstverständlich nutzen (das kann ich bestätigen). Ein anderes Phänomen das ich beobachtet habe ist, dass die Studenten selbstverständlich davon ausgehen, dass es online Angebote und Begleitung gibt, weil sie dies in anderen Bereichen wie z. B. dem Einkaufen oder online-Banking so selbstverständlich ist. Ich persönlich bin auch verwundert, wenn es Informationen an einem “Schwarzen Brett” gibt und nicht auf einer Online-Plattform. Das ist für mich auch fast Mittelalter, aber durchaus Realität an Universitäten.
Er wies weiter darauf hin, dass das CMS mehr Marketing für ihre Leistungen machen sollte, sodass die Mitglieder der Universtität überhaupt wissen, was es alles für Services gibt. Er wies auch später in der Abschlussdiskussion darauf hin, dass sowohl die Lehrenden und Lernende eine ordentliche Einführung in Moodle bekommen sollten. Das habe ich auch beobachtet und ich werde versuchen bei unserem Studiengang fürs nächste Semester eine Einführung am Anfang zu machen. Kein Dozent hat sich bei unserem Jahrgang 10 min Zeit genommen, um Moodle mit seinen ganzen Möglichkeiten einmal vorzustellen. Ich wagen einmal zu behaupten, dass die Lehrenden das selbst auch nicht wissen.
Bei dem Vortrag über die Umfrage der Gruppe eKoKon
kam Ähnliches heraus. Meistens wird Moodle nur zur Dokumentenablage verwendet. Generell wird von den Studierenden mehr interaktive Online-Angebote gefordert, aber sie schätzen den Wert der Präsentsseminare sehr wohl. Die Ergebnisse der (nicht repräsentativen) Umfrage stehen leider noch nicht online. Ich würde einige der Ergebnisse auch in Frage stellen. Es gaben in einer offenen Frage wohl nur 30% der Studierenden an, dass sie Google nutzen. Das glaube ich nicht, ich denke das ist so selbstverständlich, dass sie es in einer offenen Frage gar nicht angeben. Spannend war auch noch, dass die Lehrenden sich eine Betreuung und Beratung auf Institutseben wünschen, nicht in einer zentralen Service Stelle. Das zeigte, dass sie beim CMS (Computer und Medienservice) mit den e-Teams auf dem richtigen Weg sind. Spannend war auch wieder das Thema Online-Communities. Dort verbringen wohl viel Studierende viel Zeit und in den offenen Kommentaren wurde die Frage aufgeworfen (wie schon am Morgen einem Vortrag über Potentiale von Facebook angeklungen war), ob man Moodle nicht mit StudiVZ verbinden könnte. Die freien Kommentare seien wohl äußerst interessant und werden teilweise auch noch veröffentlicht.
Am Ende der Veranstaltung gab es eine Abschlussdiskussion von namenhaften Vertretern aus den anderen Berliner Hochschulen. Allein die Tatsache, dass ein Austausch über das Thema eLearning über die Grenzen der einzelnen Hochschulen stattfand, ist äußerst lobenswert.
Sie kamen Anfangs zu dem Schluss, dass die Realität an den Hochschulen wohl in vieler Hinsicht ähnlich ist und dass man doch sich stärker gemeinsam darüber auseinandersetzten sollte und sich bestimmt gegenseitig bereichern könne. Es gibt teilweise auch schon Kooperationen.
Die ganze Diskussion wieder zu geben würde den Rahmen sprengen, außerdem wird es sie ja hoffentlich bald als Podcast online geben, aber dennoch möchte ich ein paar Anmerkungen hervorheben: eLearning ist noch nicht bei allen Lehrenden angekommen. Dies hat wohl auch etwas mit der starken Reformbelastung durch den Bologna-Prozess zu tun, sodass die Lehrende gar keine Zeit haben sich damit auseinander zu setzen. Auch nichts Neues war die Einschätzung, dass diejenigen, die virtuellen Instrumente in die Lehre einbauen, diejenigen sind, die sich eh über Didaktik viel Gedanken machen und technikaffin sind. Ähnliches wurde auch auf der DGfE Tagung in der Arbeitsgruppe Hochschuldidaktik geschlussfolgert. Außerdem müsse man sehr vorsichtig sein von Didaktik zu sprechen, weil die Projekte überhaupt nicht mit Mitteln ausgestattet sind, sich über so etwas Gedanken zu machen, außerdem gäbe es wohl auch keine richtige Didaktik. Das würde ich einmal in Frage stellen. Es gibt zwar keine Rezepte die immer funktionieren für eLearning (genausowenig, wie für Lehre ohne Medien), aber dass es deswegen keine eDidaktik gibt, würde ich nicht wagen zu behaupten.
Dann gab es den Vorschlag, dass die Software perfekt sei, dann würde auch die Integration automatisch besser funktionieren. Ich bezweifle, ob es ein allgemein verwendbares perfektes CMS je geben wird. Richtig, es muss funktionieren, aber dass es eine eierlegende Wollmilchsau, die für jedes Szenario geeignet ist gibt, glaube ich nicht. Meiner Meinung nach sollte man bei der Gestaltung von Blended Learning eh von den Inhalten ausgehen und das dazu passende didaktische Konzept entwerfen und nicht aufgrund der zur Verfügung stehenden Technik (quasi zum Selbstzweck) einen Kurs entwerfen.
ELearning sei wohl auch ein Motor für Innovation, dürfe jedoch nicht missbraucht werden für die seit 10 Jahren verpasste Reformierung der Administration.
Ein besonders schöner Beitrag war, dass eLearning ein Tool sei, wie die Schrift, die zur Verbesserung der Lehre sei und dass es unumgänglich sei, sich damit auseinander zu setzen.
Christian Grune warf am Ende aus dem Publikum die Frage auf, worin sie denn die Chancen und Risiken einer derartigen Zusammenarbeit sehen würden. (Ich hab mich zusammengerissen, dass ich nicht gefragt habe, warum denn da noch nicht mehr Austausch stattfindet.) Wichtig für eine Zusammenarbeit der Hochschulen sei eine Flexibilität und Freiwilligkeit in der Kooperation. Außerdem bestünde die Angst einer zu einem späteren Zeitpunkt dann evt. vom Senat aufgezwungenen Vereinheitlichung der Universitäten.
Fazit: Super, dass es diese Veranstaltung jährlich gibt. Für mich gab es viele neue, interessante Perspektiven. Ich bin einmal gespannt, was aus dem Berliner Zentrum für Hochschuldidaktik wird.